Inhalt
Tage gemeinsamen Lebens – Reise nach Polen vom 22.-31.7.2006
Am Sonnabend, den 22. Juli startete um 6.00 Uhr im Evangelischen Johannesstift ein Kleinbus mit Berthold Salow, Ewald Klinzing, Werner und Gabriele Schröer und Klaus-Dieter und Bärbel Fink zur Urlaubsfahrt nach Polen. Am Dreieck Cottbus trafen wir, Matthias, Sabine, Sarah, Judith und David Benndorf, uns wie abgesprochen mit den Busfahrern. Nach einem „Guten Morgen“, Frühstück und erstem Kartelesen fuhren wir zügig miteinander Richtung Krakau. Gegen 15.00 Uhr schon trafen wir dort ein im jüdischen Viertel Kazimierz. Karina Chwastek und alle anderen polnischen Teilnehmer wurden zu 17.00 Uhr erwartet. So genossen wir einen ersten Spaziergang, ein erstes Kaffee trinken bzw. Eis essen am alten jüdischen Marktplatz. Später fanden wir unser Quartier im Norden des Stadtzentrums von Krakau in einem alten Kulturhaus. Zum Abendessen begrüßten wir unsere polnische Freunde: Jan und Anna, Waldemar und Anita mit Robert, 6 Jahre, Andrej und Asia mit Piotrus, 2 Jahre, Studentin Birgit sowie Karina. Alle sprachen deutsch. Eine Vorstellungsrunde am Abend sowie erste Gespräche ließen uns auf interessante Tage freuen.
Der Sonntag begann mit einem ersten Stadtdurchgang zur Kirche der Evangelisch-Augsburgischen Gemeinde Krakau. Gottesdienst feiern in einer vollen Kirche und das jeden Sonntag, das hat uns beeindruckt. Die Gesangbücher enthielten auch Liturgie und Textstellen für jeden Sonntag, so dass wir den Gottesdienst gut verfolgen konnten, auch wenn wir die Sprache nicht verstanden. Eine junge Theologiestudentin predigte den Menschen sehr zugewandt. Der Ortspfarrer leitete den Gottesdienst, denn Frauen dürfen noch immer nicht Pfarrerin werden. Anschließend hatte er Zeit für ein Gespräch. Einer Einladung zum Spaziergang ins jüdische Viertel folgten wir gern und bekamen einen Überblick über die Größe und die Vielzahl der Synagogen. Der Nachmittag war dem Weltkulturerbe, dem Salzbergwerk Wieliczka, vorbehalten. Dort waren angenehme Temperaturen, deutlich unter 30 °C. Beeindruckt leckten wir Salz, liefen durch die Stollen, bestaunten viele Skulpturen und vor allem die herrlichen Kapellen. Der Abend klang aus auf dem Krakauer Markt bei Bier, Wein, Saft. Am Montag war für uns eine deutsche Stadtführung vorbereitet. Wir begannen auf dem Wawel, zogen dann in die Stadt und sahen auch den berühmten Veit Stoss Altar. An der Universität endete der Rundgang. Am Abend wurde auf dem Markt Abschied von Krakau genommen.
Der erste Tag in Istebna begann mit einer Andacht in der Kirche. Am Vormittag führte ein Spaziergang nach Koniakow zu den weltbesten Deckenhäkelerinnen, für die sich selbst die englische Königin interessierte. Der neueste Hit sind Strings für Frauen und Männer. Der Nachmittag führte uns in das Präsidentenschloss. Nach Kontrollen (Taschenmesser und Scheren wurden einbehalten) staunten wir über Salon, Esszimmer und vor allem dem großen Badezimmer. In der Kirche werden jeden Sonntag 2 Gottesdienste gefeiert, katholisch und evangelisch. Ein wunderschöner Blick auf Istebna aus den Bergen und die Fahrt nach Wisla ließen uns die Beskiden erleben und die Lust zum Wandern wachsen.
Am Donnerstag besuchten wir die Gemeinde Karinas: Goleszow. Mitten im Wald den Gedenkstein für den Ort der Gottesdienste zur Zeit der Gegenreformation, eine nagelneue Kirche in einer Filiale von 300 Gemeindegliedern, in viel Eigenleistung gebaut auf dem besten Land eines Bauern. Bei Kaffee, Saft und Kuchen erfuhren wir etwas aus der Arbeit dort: 2 Pfarrer, 1 Diakonin, jeden Sonntag 5 Gottesdienste, viele Amtshandlungen, viel Religionsunterricht an der Schule (Pfarrer 10 Stunden, Karina 18 Stunden), Chorarbeit, Kindergottesdienst u. v. a. m. Im Gemeindehaus hat jede Familie ein Fach für den Gemeindebrief oder andere Informationen. Es muss keine Post verschickt werden, da die Menschen regelmäßig zum Gottesdienst kommen und auch für den kranken Nachbarn alles mitnehmen. Das ist für uns unvorstellbar, der enge Kontakt der Gemeindeglieder zu ihrer Kirche, zu ihrem Gottesdienst.
Der Weg führte uns weiter nach Dziegielow zu Pf. Marek Londzin. Wir bewunderten das neue Altersheim und genossen die Gastfreundschaft im Pfarrgarten. Am Nachmittag blieb wenig Zeit für Cieszyn, die geteilte Stadt Teschen. Dort leben ca. 7500 Gemeindeglieder, die Jesuskirche hat 6000 Plätze mit den 3 Emporen. Zu Festtagen wie Konfirmation ist die Kirche gefüllt. Sie gilt als Modell für viele Kirchbauten dieser Gegend. Ein Blick vom alten Schlossturm ermöglichte einigen von uns noch einen Überblick über die Stadt.
Der Freitag war Wandertag. Mit der Seilbahn fuhren wir auf den Berg Czantoria (995m ü. d. M.). Ein wunderschöner Blick erwartete uns. Der Aussichtsturm steht schon in der Tschechei. Jan führte als umsichtiger Bergführer Ewald, Sabine, Sarah und David auf dem Grenzweg direkt auf dem Kamm 12 km bergab und auf zum Stozek (978m ü.d.M.).
Am Sonnabend wird in Polen geheiratet, schon in Krakau hatten wir eine Hochzeit bewundert. Dieses Mal begegneten wir an vielen Orten Brautpaaren. In Skoczow heiratete Karinas Bruder seine deutsche Braut, natürlich feierten wir den Gottesdienst mit und freuten uns am Glück des jungen Paares. Der Nachmittag führte uns auch an das Dreiländereck Slowakei, Tschechei, Polen ganz in der Nähe von Istebna. Die Grenzen sind für Touristen offen, nur von Grenzsteinen markiert. Am Sonntag feierten wir Gottesdienste in 3 Gemeinden. Werner Schröer predigte in Jastrzebie-Zdroj über den Wochenspruch: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ auf Deutsch, der Gemeindepfarrer übersetzte ins Polnische. Im Gottesdienst erlebten wir eine polnisch-italienische Taufe. Außerdem wurde der Abschluss eines einwöchigen Englischseminars gefeiert, das 14 Amerikaner für 77 polnische Kinder und Jugendliche gestaltet hatten: lebendige internationale Gemeinde. Anschließend waren wir zum gemeinsamen Mittagsmahl eingeladen. Im intensiven Gespräch ging es um die bisher in Polen nicht mögliche Frauenordination. Dabei erfuhren wir, dass der Bruder des Bischofs in Großbritannien eine polnische Frau ordiniert hat, eben in der dortigen Kirche. Wann wird es auch in Polen möglich sein? Montag früh traten wir dann mit unterschiedlichem Tempo die Heimreise an, erfüllt von diesen Tagen der Begegnung.
Herzliche Dank allen, die diese Tage vorbereitet haben, Berthold und Karina, und allen, die sie mitgestaltet und gelebt haben. Wir haben viel voneinander erfahren und neue Freundschaften sind entstanden. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und neue Begegnungsmöglichkeiten.
Sabine und Matthias Benndorf, Templin
