Ökumenische Lernreise 2026

Die Schwestern und Brüderschaft des Evangelischen Johannesstifts e.V. und die Comunhao Diaconal in Brasilien sind seit 1995/96 partnerschaftlich miteinander verbunden. 2026 feiert die Comunhao Diaconal ihr 50-jähriges bestehen und hat uns eingeladen, das miteinandervor Ort zu feiern und zu würdigen und den Besuch mit einer Lernreise zu verbinden.

Mit einer kleinen Reisegruppe aus 4 Schwestern und zwei Brüdern unserer Gemeinschaft sind wir vom 01. Juni-21. Juni 2026 unterwegs. Das Gemeinschaftstreffen der Diakon*innen in Brasilien findet alle 2 Jahre statt. In diesem Jahr ist Vitória im Bundesstaat Espírito Santo der Veranstaltungsort.

Gemeinsam mit den brasilianischen Geschwistern feiern und gestalten wir festliche Gottesdienste und inspirierende Andachten. Wir sind dabei als die Generalversammlung, die Assembleia einen neuen Rat wählt und die Ergebnisse ihres Planajamentos, ihres Strategieprozesses fix macht. Auch hier stehen Diakonie, Kirche und diakonischen Gemeinschaft vor Herausforderungen und die COD „Was für eine COD wollen wir sein?“

Wir überbringen Grüße von unseren Geschwistern in Deutschland, überreichen die Kollekte der Studierenden des Wichern-Kollegs und performen unsere „Passarinhos“- Mitbringsel-Übergabe souverän auf Portugiesisch. In der Freizeit besuchen wir die intensive Sebastião Salgado Austellung „Amazônia“, die Schildkröten-Rettungsstation „Taramar“, lernen die Stadt vom Wasser auskennen und springen auch mal rein. Nach sieben intensiven Tagen voller Information und Emotion, Spiritualität und Spontanität, Abraços und gostos novos geht nun die Reise weiter aufs Land. Wir lernen Arbeitsfelder unserer Geschwister in Espírito Santo vor Ort kennen.

Unsere Lernreise geht weiter. Wir fahren für einige Tage ins Umland von Vitória. Unser Zuhause zunächst ein Ort der uns so angekündigt wurde: uma casa, uma escola, uma igreja. Ein Haus, eine Schule, eine Kirche. Und ziemlich genau so ist es. Dazu gibt es jede Menge Natur. Unsere Gastgeber-Familie nimmt uns herzlich auf.

 Wir besuchen Kirchen der IECLB, lernen Gemeindemitglieder kennen. Tauchen ein wenig in das Leben vor Ort und die Geschichten der Menschen ein, deren Vorfahren einst aus Pommern nach Brasilien ausgewandert sind. Eine Gemeinde, die sich im Grunde gerade neu gegründet hat, baut in Eigenleistung derzeit aus einem geplanten Predigtplatz ein ganzes Kirchgebäude auf. Auf der Straßenseite gegenüber fordern die Kids den Ältesten zu einem kleinen Futebol-Match. (1:1) Wir werden auf Initiative der Tochter unserer Gastgeber spontan für den nächsten Tag in die Schule eingeladen, wo sich Klasse 6 und 7 gerade mit der Geschichte der europäischen Einwanderer*innen befassen.

Zwei Tage später dann in Santa Maria de Jetiba lernen wir unter anderem ein spannendes Projekt der IECLB kennen, dass sich um die Bewahrung und Weitervermittlung von Gesundheitswissen zu traditionellen und alternativen Heilmethoden bemüht. Der Kreis schließt sich in Vitória, wo wir bei in der Kita/Vorschule (Educação Infantil) die Jalera tanzen und in der Universität den Studiengang “ Bachelor in ländlicher Bildung“ kennenlernen. Von den 20.000 Studierenden dort sind es 180, zumeist vom Lande, die hier die Möglichkeit haben selbst zu studieren, um Bildung insbesondere dann im ländlichen Raum auch weitervermitteln zu können. Zum Abschluss dieser Etappe, können wir das Krankenwohnhaus „Albergue Martin Lutero“ besuchen, wo schwersterkrankte Menschen vom Land während ihrer Behandlungen in der Stadt Unterkunft und Begleitung finden.

Den persönlichen Koffer gut gefüllt mit Informationen, Impressionen und Emotionen, nehmen wir von Espírito Santo Abschied. Nächster Stop: Rio. Nach dem intensiven und inspirierenden Gemeinschaftstreffen zum 50-jährigen Jubiläum der Comunhão Diaconal (COD) und den Reisetagen über Land mit vielen Besuchen in Kirchen, Gemeinden und bei wunderbaren Menschen zu Haus, ist es nun Zeit für eine kleine Auszeit.

Unsere Reisegruppe macht Zwischenhalt in Rio de Janeiro. Wir erkunden die Stadt mit dem Samba-Bus und zu Fuß. Wir sehen die schönen und traurigen Seiten der Cidade Maravilhosa. Wir besuchen den „Chef“ und sind erwartungsgemäß nicht allein. Wir fahren mit der Seilbahn auf den Zuckerhut und staunen im das großartige „Museo do amanha“.

Wir sind am Strand dabei als Brasilien gegen Marokko in der COPA26 1:1 spielt und wir stürzen uns in die Wellen. Mittendrin und dazwischen lernen wir einander weiter kennen, reflektieren die vergangenen Tage, entdecken Grenzen und Fähigkeiten. Eine Lernreise. Alles in allem.

Die letzte Etappe unserer Lernreise führt uns in den herbstlich kühlen Süden Brasiliens. In der Casa Matriz de Diaconisas, dem Diakonissenmutterhaus in Sao Leopoldo verbringen wir die WocheVon dort aus besuchen wir Projekte, diakonische Einrichtungen und die IECLB, die Evangelische Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien.

Mit Rose und Julia lernen wir die Arbeit im Bom Samaritano kennen. Mehr als Kindergarten und Grundschule. Ein Ort für Familien und Gemeinde. Eine Bananenhecke zum Lernen und ein wilder Garten. Dann sind wir in einer Krankenwohnung, in der Menschen aus ganz Brasilien teils mehrere Jahre lang auf ein Spenderorgan warten, dass wenn verfügbar dann in Porto Alegre transplantiert werden kann. Ein intensiver Tag endet in der Educação Infantil „Eugenia Conte“ die sich mit ihren Angeboten wie Kleidermarkt, Recycling-Projekt und Freizeitkursen auch für die stark von Armut betroffene Nachbarschaft einsetzt.

Am nächsten Morgen geht es nach Porto Alegre. Die FLD Fundação Luterana do Diaconia macht eine starke Programm- und Projektarbeit, beispielsweise zur Aufklarung und Prävention zu häuslicher Gewalt. Im Anschluss sind wir bei der Präsidentin der IECLB zum Gespräch eingeladen. Wir bekommen lebendig geschildert, wie es für eine kleine Kirche in so einem riesigen Land ist, wie Geschichte & unterschiedlichste Kulturen sich auch heute noch auf das Gemeindeleben auswirken. Der Tag klingt mit Marktbesuch und einem Spaziergang aus. Das Denkmal für die Flutkatastrophe von 2024 berührt. Die Schäden sind vielerorts nicht behoben. Viele hatten damals alles verloren.

An Tag 3 machen wir die Tour mit Pastor Altemir Labes. Es ist Generaldirektor der „abefi“, die Angebote in Ausbildung, Berufsförderung sowie Kinder- und Jugendhilfe vorhält. Wir besuchen eine Schule und eine Jugendfreizeiteinrichtung und erfahren von den Mitarbeiterinnen einer Kindernotaufnahme einem „abrigo“ eindrücklich etwas aus deren Arbeitsalltag. Zum Abschluss gibt es Cafe und einem Besuch im Altenheim in Taquara. Die große Überraschung gibt’s am Freitag. Wir besuchen den Garten unserer Reisebegleiterin. Ein Dschungel, ein Himmel auf Erden, ein kleines Paradies!

Am Samstag nehmen wir dann noch an einem intensiven Miniseminar mit unseren brasilianischen Gastgeber*innen zu Diakonie im gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Kontext Brasiliens, Kolonialismus und Kolonialisierung, Patriarchat und kirchlichem Amtsverständnis teil. Und dann heißt es schon Sachen packen.

Im Gepäck auf dem Weg nach Hause haben wir neben Cachaca, Backmischung für Pâo do Queijo und jeder Menge Chinellos (Havaianas) jede Menge Eindrücke und Einblicke, Erfahrungen, Emotionen und Bilder.  Drei intensive Wochen Brasilien an so unterschiedlichen Orten, bei Menschen in so unterschiedlichen Lebenssituationen liegen hinter uns. Die neu gewonnenen Freundschaften sind so viel wert! Und das, was wir an neuen Perspektiven über unseren eigenen Tellerrand hinaus erfahren haben, hinterlässt hoffentlich Spuren, die wir im Positiven in Deutschland wirken lassen können. Wie es im Seminar am Samstag formuliert wurde, vielleicht auch ganz „kleine Risse“ in festgefahrenen Systemen, die zu kleinen Veränderungen führen können

Abracos! (Sommer 2026)