Geschichtliche Wegmarken

Gründung
Lasset uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und der
Wahrheit (1.Joh. 3,18) – Unter diesem Losungswort gründete 1858 Johann Hinrich Wichern (1808–1881) das Evangelische Johannesstift als ein Brüderhaus nach Vorbild des Rauhen Hauses zu Hamburg. 1882 schlossen sich die Diakone des Johannesstiftes zu einer eigenständige Brüderschaft zusammen und trennen sich von der Bruderschaft des Rauhen Hauses. Gemeinsam mit dem Johannesstift zog die Brüderschaft von Berlin-Moabit nach Berlin-Plötzensee und 1910 weiter an den heutigen Standort im Berliner Stadtbezirk Spandau. Die besondere Verbundenheit mit dem Evangelischen Johannesstift besteht bis heute.

Gemeinschaft in Ost und West
Als Folge der politischen Teilung Deutschlands nach dem 2.Weltkrieg gründete das
Johannesstift 1952 eine zweite Ausbildungsstätte in Berlin-Weißensee, um den
ostberliner bzw. ostdeutschen Diakonenschülern die Fortsetzung ihrer Ausbildung zu
ermöglichen. In der damaligen Adolf-Stoecker-Stiftung, heute Stephanus-Stiftung,
entstand im Auftrag der Inneren Mission und der Berlin-Brandenburgischen Kirche der
Kirchlich-Diakonische Lehrgang (KDL) mit einem Brüderhaus. Seit 1961 existierte die Brüderschaft des Evangelischen Johannesstifts in zwei Bereichen. Angesichts der
verfestigten politischen Situation entschied sich die Brüderschaft des Evangelischen
Johannesstiftes 1972 für die Eigenständigkeit der Brüderschaft in Weißensee.
Nach Mauerfall und Wiedervereinigung schlossen sich 1993 die Mitglieder der
Bruderschaft der Stephanus-Stiftung und der Schwestern- und Brüderschaft des
Evangelischen Johannesstiftes nach einem in intensiven Gesprächen und Begegnungen
erarbeiteten Kompromiss wieder zu einer Gemeinschaft zusammen.

Frauen in der Gemeinschaft und Ausbildung
1973 trat die erste Frau, eine Krankenschwester aus dem Evangelischen Johannesstift, in
die Brüderschaft ein, seit 1974 werden Diakoninnen im Evangelischen Johannesstift
ausgebildet.
Im Mai 1986 entschied sich die Brüderschaft der Stephanus-Stiftung zur Aufnahme von Frauen und änderte ihren Namen in Bruderschaft der Stephanus-Stiftung. Im September 1987 begann die Ausbildung von Diakoninnen am KDL.
1992 trug die Brüderschaft des Evangelischen Johannesstiftes der Veränderung
Rechnung und benannte sich in Schwestern- und Brüderschaft des Evangelischen
Johannesstiftes um.

Weltweites Wirken
Die Schwestern- und Brüderschaft versteht sich als aktiver Teil einer weltweiten
Gemeinschaft der Christen. Seit 1995/96 wird eine Partnerschaft zur diakonischen
Gemeinschaft COD (Comunhão Diaconal da IECLB) in Brasilien gelebt. Als
Lerngemeinschaft findet regelmäßig ein Austausch zu theologischen und spirituellen
Fragen statt und wird theoretisch und praktisch das Diakon:in-Sein in Kirche und
Gesellschaft reflektiert.